Dawid Toppa

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Gehackt durch einen DLSS 5 Download

Gehackt durch einen DLSS 5 Download

Lange nichts gehört

Ob ihr es glaubt oder nicht: Es gibt mich noch 😅 Der letzte Beitrag hier ist ewig her. Das hatte GrĂŒnde: Job, Krankheit und eine ganze Reihe anderer LebensumstĂ€nde haben mir in den letzten Jahren schlicht die Zeit und die Kraft fĂŒrs Bloggen genommen. Das möchte ich jetzt Ă€ndern.

Und wie es der Zufall so will, hat mir das Leben gerade selbst ein Thema geliefert. Kein schönes, aber ein lehrreiches: Ich wurde gehackt. Ein Infostealer auf meinem Rechner und innerhalb weniger Tage waren mehrere meiner Konten weg. Ausgerechnet bei mir, der seit Jahren anderen Leuten bei ihren Computerproblemen hilft đŸ„Č

Hier erzĂ€hle ich euch meine Story: wie es dazu kam, wie ich der Sache auf die Spur gekommen bin und was ich daraus gelernt habe. Vielleicht erspart es ja jemandem von euch den gleichen Ärger.

Was passiert ist

Am Abend des 16. Oktober wollte ich DLSS 5 weiter ausprobieren. Nvidias neue KI Technik war gerade ĂŒberall Thema und auf GitHub gab es ein Tool, das sie angeblich in beliebige Spiele bringt. Heruntergeladen, entpackt, gestartet, nichts passierte und ich hatte ein mulmiges GefĂŒhl. Kurz darauf habe ich die Datei gelöscht und nicht weiter darĂŒber nachgedacht.

Vier Tage spĂ€ter dann der Schock: Mein Kleinanzeigen Konto schrieb plötzlich fremde VerkĂ€ufer an. Immer dieselbe freundliche Anfrage, ob der Artikel noch da ist und was er mit Versand kostet. Die klassische Vorbereitung fĂŒr einen Betrug mit gefĂ€lschten Bezahllinks. Ziel waren nicht ich, sondern die VerkĂ€ufer. Mein Konto mit seiner langen Historie sollte nur Vertrauen erzeugen.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Mein Epic Konto war weg. Google meldete verdÀchtige AktivitÀten und warf eine Sitzung raus. Ein paar Tage spÀter traf es Instagram und mein Konto bei Microsoft, meine beiden Steam-Accounts und zuletzt gab es Anmeldeversuche bei meinen beiden Riot Konten.

Das Muster dahinter ist typisch. Ein Infostealer sammelt gleich beim ersten Start alles ein, was in den Web-Browsern liegt: gespeicherte Passwörter, Formulardaten und vor allem Sitzungscookies. Mit so einem Cookie ist der Angreifer einfach eingeloggt, ganz ohne Passwort und ohne zweiten Faktor. Die Beute landet als Paket auf einem Marktplatz und wird dann Konto fĂŒr Konto abgearbeitet. Deshalb kommen die Übernahmen nicht auf einmal, sondern tröpfchenweise ĂŒber Tage.

Die Spurensuche

Der erste Reflex war natĂŒrlich: Scanner drĂŒber. Defender, Malwarebytes und ESET liefen komplett durch. Ergebnis: einiges aber wohl nicht das worum es ging. Auch ein Blick mit Autoruns auf alle Autostarts, geplanten Aufgaben und Dienste war unauffĂ€llig. Selbst hollows_hunter, das laufende Prozesse gezielt nach eingeschleustem Code durchsucht, fand nur die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen wie Overlays und Grafiktools.

Und Zack: Die Wende kam mit VirusTotal. Die ursprĂŒngliche Datei hieß closkovind.exe und wurde dort nur von 15 der 71 Scanner erkannt. Familie: Infostealer. Die Sandbox Analyse zeigte, dass sich das Ding in den Windows Explorer einschleust, Analyseumgebungen erkennt und sich dort zurĂŒckhĂ€lt. Im Speicher fanden sich außerdem die Anmeldeadressen von Microsoft und Xbox. Das erklĂ€rte auf einen Schlag, warum es auch mein Konto bei Microsoft erwischt hatte.

Im Bericht stand außerdem ein merkwĂŒrdiger Dateiname: pluiendsoos.pdf im Ordner von Microsoft SQL Server. Ich habe nachgesehen und sie lag tatsĂ€chlich bei mir. 26 Byte Zufallsdaten, angelegt am 17. Oktober um 0:02 Uhr. Eine Markierung, mit der sich die Malware merkt, dass sie hier schon war. Keiner der drei Scanner hatte sie gefunden.

Damit stand fest, wann es passiert ist und was es war. Und es war die wichtigste Lektion der ganzen Geschichte: Ein sauberer Scan heißt nur, dass der Scanner nichts kennt. Nicht, dass nichts da ist.

Was ich daraus mitnehme

  1. Software nur aus der Originalquelle. GitHub ist kein GĂŒtesiegel. Jeder kann dort ein Repository anlegen, ein bekanntes Projekt kopieren und eine prĂ€parierte Datei dazulegen. Gerade bei Hypethemen wie DLSS 5 tauchen solche FĂ€lschungen innerhalb von Tagen auf.
  2. Keine Passwörter im Browser speichern. Genau dort greift ein Infostealer als Erstes zu. Meine Passwortdatenbank in KeePass mit einem starken Hauptpasswort war fĂŒr den Angreifer dagegen wertlos.
  3. Passwort Ă€ndern reicht nicht. Gestohlene Sitzungscookies bleiben gĂŒltig, bis man aktiv alle Sitzungen abmeldet. Und das alles von einem sauberen GerĂ€t aus, also vom Handy oder einem anderen Rechner.
  4. Mit dem Postfach anfangen. Wer das Mailkonto hat, setzt jedes andere Passwort einfach per Mail zurĂŒck. Danach kommen Geld, Arbeit und dann der Rest.
  5. Nachsehen, was der Angreifer hat. In Firefox zeigt about:logins alle gespeicherten Zugangsdaten. Genau diese Liste hat der Angreifer auch. Man muss nicht jedes der hunderte Konten Àndern, aber die wichtigen und alle mehrfach benutzten Passwörter.
  6. Auch an andere Programme denken. FTP Clients, Remote Tools, Mailprogramme und Messenger speichern ebenfalls Zugangsdaten. Die liest ein Stealer genauso aus.
  7. Zwei Faktoren ĂŒberall dort, wo es geht. Das schĂŒtzt nicht gegen gestohlene Cookies, aber gegen alles, was nur mit dem Passwort versucht wird.
  8. Andere warnen und Beweise sichern. Ich habe die angeschriebenen VerkĂ€ufer informiert und alles fĂŒr eine Strafanzeige auf einem Stick gesammelt: Hashwerte, VirusTotal Bericht, Screenshots und eine Zeitleiste.

Fazit

Ich war immer ein bisschen stolz darauf, dass mein Windows seit Windows 7 nie neu installiert werden musste. Jedes Upgrade und jede neue Hardware einfach mitgenommen. Dieser Vorfall hat mir gezeigt, wie viel Ballast sich in so vielen Jahren ansammelt. Ich habe den Rechner grĂŒndlich untersucht, haufenweise alte Programme rausgeworfen und alle wichtigen ZugĂ€nge neu abgesichert. Sollte noch einmal etwas auffallen, wird er neu aufgesetzt. Vielleicht dann sogar gleich mit einer Linux-Distro.

Der Schaden hielt sich am Ende in Grenzen. Puh, nochmal GlĂŒck gehabt. Ärgerlich war vor allem der Zeitaufwand und das ungute GefĂŒhl, nicht genau zu wissen, wer gerade wo mit meinen Daten unterwegs ist.

Wenn ihr also das nĂ€chste Mal ein Tool findet, das zu gut klingt, um wahr zu sein: Lasst es liegen, fĂŒhrt es in einer Test-VM aus oder holt es euch nur von der offiziellen Seite. Und hier soll es jetzt wieder regelmĂ€ĂŸiger etwas zu lesen geben. Versprochen.

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